Samstag, 7. November 2009

Neuro-Philosofisches

Als nachdenklicher Kapselpilot kommt man nicht umhin, sich irgendwann über die menschliche Natur Gedanken zu machen. Spätestens wenn man das erste mal stirbt und in einen neuen Körper transferiert wird, wird einem klar, dass das Gesamte "ich" offenbar tatsächlich aus der Anordnung der Nervenzellen in dem ca. 1375 Gramm schweren Wabbelklumpen besteht, den wir unser Gehirn nennen. Und dieses "Ich" kann tatsächlich per Überlichtfunksignal in einen neuen Körper gesandt werden.
Dann besorgt man sich die ersten Implantate und muss feststellen, dass man die eigenen Fähigkeiten -und damit also die Funktionsfähigkeit des Geistes- mit Technischen mitteln hochpushen kann.
Mit dem Kauf des ersten Jump-Klones wird dann endgültig ein Trennstrich zwischen Geist und Körper gezogen. Die etwa 75 Kilo Muskeln, Sehnen, Knochen, Fett, Blut, Schleim und Gekröse an die man sich sein ganzes Leben gewöhnt hat, und mit denen man immerhin aufgewachsen ist, wird zum austauschbaren Vehikel des Geistes. Der Trend geht zum Zweitkörper. Und gäbe es nicht gesetzliche Regelungen, was spräche eigentlich dagegen, sich einen Klon vom anderen Geschlecht anfertigen zu lassen? Oder die eigene Muskelmasse etwas aufzupumpen?
Kein Wunder, dass man sich vor dem Anlegen eines Jump-Klones erst mit "Infomrph-Psychologie" beschäftigen muss, um die ganze Geschichte überhaupt geistig verarbeiten zu können.

Und wenn man sich mit der Klon-Springerei und ihren philosofischen Implikationen gerade angefreundet hat, kommen die führenden Neurologen von New Eden mit etwas Neuem um die Ecke, das das eigene Selbstverständnis erst so richtig in die Krise schleudert: Neural Remapping.

Mit der Nervlichen Neuverkartung kann man die eigenen geistigen Eigenschaften, auch Attribute genannt, verändern. die Hirngesamtleistung kann man damit nicht steigern, für die Verbesserung auf einem Gebiet muss man Abstriche auf einem anderen Gebiet in Kauf nehmen.
Man geht also zum Arzt und teilt ihm mit: "Hallo Doktor, machen Sie mich schlauer, dafür können Sie meine Ausstrahlung auf andere absenken. Und steigern Sie meine Willenskraft, wenns sein muss auf Kosten meiner Aufmerksamkeit."
"Geht klar, Kasse oder Privat? Verbesserungen des Gedächtnisses gibts diese Woche übrigens im Sonderangebot."
Die Frage, die sich bei einem so radikalen Eingriff in die Hirnstruktur stellt, ist: Kann sich dadurch der Charakter verändern? Ist man nach dem Neural Remapping überhaupt noch dieselbe Person?
Nun, ich habe an mir ein Neural Remapping vornehmen lassen und kann keine Veränderung feststellen. Aber würde ich das überhaupt merken? Zum Glück scheint jedoch auch niemanden in meiner Umgebung etwas aufgefallen zu sein.

Dennoch: hatte ich diese Neigung zum Grübeln über die Natur von Mensch und Kosmos schon vor meiner Neuverdrahtung? Ich denke schon...

Und für alle, denen das jetzt zu Pseudopfilosofisch war, hier stattdessen ein einfaches Statusupdate: Zur Zeit bin ich wieder in Sinq Laison, treibe Handel und fliege ein paar Missionen:

Kommentare:

  1. Die viel entscheidene Frage ist: Bin ich noch die gleiche Person? Oder nicht?

    Es wird ja nur eine Kopie erstellt und diese transferiert. Der neue Körper/Clon erinnert sich damit an alles was voher passiert ist, aber: Bin ich das noch, oder bin ich nicht Sekunden vorher gestorben.

    Ich glaube ja, das mein neuer Clon halt doch nur eine Kopie sein kann. Oder?

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  2. Um ein Buch zu zitieren: "Wer bin ich, und wenn ja, wieviele"?

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